Einleitung

Schamanisches Arbeiten und Tun sind im Grunde nur empirisch erfahrbar und aus einer rein rationalen Perspektive nicht wirklich nachvollziehbar. Die Seelen und Herzen der Menschen wissen um die Wahrheit dieser Dinge und der Verstand hat manchmal seine Probleme damit. 

Es gibt viele Wahrnehmungen und Wahrheiten und für das schamanische Erleben bilden die verschiedenen Welten ein System von Kräften, die miteinander und mit uns in Beziehung stehen. So werden Ratio, Analogie, Intuition, Imagination, unterschiedliche Bewusstseinszustände, Evolution, Emotionen und Gefühle nicht getrennt und verschieden bewertet, sondern existieren gleichzeitig und gleichwertig nebeneinander. Schamanisches Arbeiten in der modernen Gesellschaft versucht daher unter anderem, diese Trennungen wieder etwas zu überwinden und verständlich zu machen, dass auch die technisierteste Zivilisation diesem Kräftespiel unterliegt, welches alles Leben auf diesem Planeten seit eh und je antreibt.

Nahezu jeder Mensch ist im Besitz der Fähigkeit, sein Bewusstsein zu verändern. Nur tun wir dies selten bewusst. Wir legen uns schlafen und befinden uns in einem anderen Bewusstseinszustand, dem des Träumens oder navigieren uns durch unsere Tagträume. Durch die Negierung der Qualität zur Veränderung des Bewusstseins, die selten gefördert und trainiert, sondern im Gegenteil meist aberzogen wird, verlieren wir den Zugang zu anderen Welten und deren Wissen.

Die Fähigkeit der Schamaninnen und Schamanen besteht gerade darin sich auf eine scheinbar irrationale, nicht direkt beweisbare oder nachvollziehbare Ebene einzulassen. Auf diese Ebene - in den schamanischen Bewusstseinszustand - begeben sie sich durch die schamanische Trance um dort ihren Spirits, Geistern, Ahnen, Verbündeten, Tieren und Pflanzenwesen zu begegnen. Diese Helfer fragen sie um Rat, bitten um Hilfe, Problemlösungen und Heilung. SchamanInnen begeben sich in ein zeit- und raumloses Kontinuum, in die Nichtalltägliche Wirklichkeit und haben auch die Fähigkeit in unserer Alltäglichen Wirklichkeit, in der Mittleren Welt, zu reisen. Sie können so Informationen zu verschiedensten Dingen erfahren und im Grunde fast jedes beliebige Ziel mit ihren Reisen ansteuern. Diese Fähigkeit ist potentiell in nahezu jedem Menschen vorhanden.

Schamanismus, Schamanen, Trance und Verbündete

Herkunft des Begriffs und seine heutige Verwendung

Eine Definition des Begriffes Schamanismus ist nicht möglich oder der Versuch wäre andererseits so umfangreich, dass er jeden den Rahmen sprengen würde, denn der Schamanismus entzieht sich durch seine Vielfältigkeit jeder Definition. Er kann letztlich nur beschrieben und erfahren werden.

Das Wort 'schaman' stammt aus der tungusischen Sprache und bedeutet dort soviel wie Feuer, Hitze, Glut. Der Begriff Schamane stammt von den tungusisch sprechenden Ewenke Sibiriens und wurde dort für das religiöse Oberhaupt, den Heiler verwendet, der durch Trance in die Nichtalltägliche Wirklichkeit gelangen konnte. Mit der Zeit wurde der Begriff ausgeweitet und heutzutage subsumiert man darunter alle Personen, die in irgendeiner Form mit veränderten Bewusstseinszuständen arbeiten, in andere Bewusstseinsebenen gehen können und in der Lage sind, dort mit verschieden Wesenheiten, Spirits, Verbündeten und sonstigen Phänomenen Kontakt aufzunehmen um Hilfe, Rat, Heilung und Unterstützung aus diesen Welten in unsere Alltägliche Wirklichkeit zu bringen.

Schamanisieren und der schamanische Weg

Ein altes Sprichwort aus Sibirien besagt: „Schamanisieren tun Viele, Schamanen sind Wenige". Wer sein Bewusstsein zielgerichtet verändern kann ist also noch kein Schamane, keine Schamanin, hat auch nicht unbedingt schamanische Initiationen durchlebt und kann trotzdem mittels schamanischer Techniken schamanisieren. Diese Person kann sich aber auf den Weg des Schamanen begeben, was mehr bedeutet, als nur eine Fähigkeit zu nutzen. Dieser lebenslange Weg ist manchmal eine harte Schule und erfordert eine umfangreiche Ausbildung. Denn der Umgang mit den Kräften, mit denen schamanisch gearbeitet wird will sorgfältig gelernt sein. Schamane oder Schamanin werden im eigentlichen Sinne aber geht direkt über die schamanische und persönliche Entwicklung des Menschen, durch Tod- und Wiedergeburtsprozess, Initiationen, durch Transformationen und durch Integration in die eigene Seinsebene.

Alle, die sich auf den Weg der SchamanInnen begeben, haben ihren individuellen, persönlichen Pfad zu finden, auf dem oft schwierige Entwicklungs- und Initiationsprozesse zu durchlaufen sind, um letztlich die individuelle schamanische Wesensart, eine eigene schamanische Kosmologie und Arbeitsweise zu entwickeln. Das Erlernen und Erfahren des schamanischen Tuns ist die Voraussetzung auf dem Weg zur SchamanIn, zu einem tiefen, inhärenten Verständnis von Schamanismus, der Welt, den Bewusstseinswelten und des Universums. Um diesen Weg der Kraft zu gehen, um die persönliche schamanische Ziel- und Ausdrucksfindung voranzubringen, kan man Anleitung, Hilfestellung und Feedback gebrauchen. Sowohl durch die Verbündeten, als auch durch schamanische Lehrer, Mentoren und Gruppen.

Wichtig ist die Unterscheidung von Verblendung, eigener Vorstellung und den Informationen der Spirits, das Vertrauen in die Verbündeten und sich selbst. Man muß erschiedenste Techniken und Arbeitsmethoden erlernen, sich die Gestaltung und Durchführung von Ritualen aneignen, lernen innere und äußere Räume zu bauen. Es braucht ein Fundament, um schamanisches Handeln in die Welt, den Alltag zu integrieren. Notwendig ist ein geheiltes Herz, die Klarheit über das Tun und das Wissen darüber, was getan wird. Es braucht eine alltagstaugliche Balance zwischen den Welten der nicht- alltäglichen und der alltäglichen Wirklichkeit. Denn schamanisches Arbeiten bedeutet nicht zuletzt auch Verantwortung für sich, Verantwortung für Andere und Verantwortung für die Welt zu übernehmen. Für die Menschen sind SchamanInnen wichtig, auf die sie sich verlassen können und die ihr Metier gründlich erlernt haben - sowohl bei den Spirits als auch bei den älteren und erfahrenen SchamanInnen.

Das Reisen - die schamanische Trance

Jeder Mensch besitzt die Fähigkeit sein Bewusstsein zu verändern. Durch das gezielte Hervorrufen der schamanischen Trance, kombiniert mit einem klaren Anliegen, einem Zweck, einer Frage - also einem klaren Fokus - verändert der Schamane sein Alltagsbewusstsein in das schamanische Bewusstsein und geht auf die sogenannte schamanische Reise. Der schamanische Bewusstseinszustand unterscheidet sich von anderen veränderten Bewusstseinszuständen dadurch, dass er zielgerichtet herbeigeführt wird, die Kontrolle erhalten bleibt, eine klare Aufgabe zu erledigen ist und dann klar beendet wird.

Die schamanische Trance kann mit verschiedensten Hilfsmitteln erreicht werden. Trommeln, Rasseln, Tanz, Gesang, optischen Methoden oder Halluzinogenen. Abgesehen von den Halluzinogenen liegt diesen Methoden die Technik der "sensory deprivation" zu Grunde. Das heißt, eine Sinneswahrnehmung, z.B. die akustische, wird überproportional angeregt und die anderen heruntergeschraubt. Die biologischen und neurologischen Forschungen zu diesem Thema lasse noch manche Fragen offen, nehmen aber als Forschungsgegenstand zu. Hier ein Überblick über eine Untersuchung von Professor Guttmann 1992: Danach entstehen im Gehirn Thetawellen, das DC-Potential steigt an, Adrenalin, Noradrenalin, Cortison und der Blutdruck verringern sich und der Puls erhöht sich - etwas, was sonst nur bei lebensbedrohenden Krisen vorkommt, einem im medizinischen Sinne paradoxen Erregungs- zustand. Zusätzlich wird das Beta-Endorphin ausgeschüttet. " Alles in allem ergibt sich das Bild eines umwälzenden körperlichen Geschehens, das bei dem religiösen Erlebnis die biologische Grundlage darstellt und das mit dem visionären Erleben korreliert."

Eine andere schamanische Form der Trance ist die Besessenheitstrance. Dabei wird eine Kraft, eine Wesenheit gerufen, der der Schamanen seinen Körper zur Verfügung stellt. Diese Kraft oder Wesenheit fährt in den Körper des Schamanen, verschmilzt mit ihm und agiert durch diesen. Das kann bis zur totalen Amnesie gehen.

Schamaninnen und Schamanen haben verschieden Möglichkeiten auf Reisen zu gehen. Sie schicken entweder ihre freie Seele, ihr Bewusstsein, ihren Geist in die Nichtalltägliche Wirklichkeit, ein raum- und zeitloses Kontinuum, das sich in der Wahrnehmung der Schamanen als obere, untere und mittlere Welt darstellt. Die mittlere Welt, unsere konkrete Welt, wird dabei in ihrem nichtalltäglichen Aspekt wahrgenommen. Oder sie rufen ihre Verbündeten zu sich an den Platz, an dem sie sich in der Alltäglichen Wirklichkeit befinden.

Verbündete – die Helfer des Schamanen

Auf seinen Reisen arbeiten Schamanen mit Helfern und Verbündeten - den Spirits, den Geistern. Diese können in Form von Tieren, Pflanzen, Personen, Ahnen, sonstigen Wesensarten, Naturgestalten, als Personifizierungen von Wirkungsqualitäten auftreten. Sie geleiten den Schamanen durch die anderen Welten, lassen ihm Informationen, Hilfe, Rat zukommen und ihn ihre Heilkraft erfahren. Die Kommunikation mit ihnen ist oft symbolischer oder metaphorischer Art und kann nicht immer literat, also 1:1 in unser modernes Verständnis von Welt transferiert werden. Verständigung kann verbal, akustisch, optisch, emotional, sensorisch stattfinden, sie ist auch als Metapher von Kraft zu verstehen, als Wissen in Form von einfach wissen, ohne zu wissen woher, als sichere Empfindung. Die Quellen der Information sind auf der einen Seite die Verbündeten, andererseits aber auch die Psyche, die Intuition, bereits vorhandenes Wissen, Erfahrung, Analogien oder kollektive Felder und Resonanzräume.

Die Verbündeten wie Götter, Krafttiere, Lehrer oder Pflanzendeven können auch als individuell aus der Person des Schamanen abgeleitete Wahrnehmungsformen und Kommunikationsmöglichkeiten mit der schöpferischen KRAFT des Universums betrachtet werden. Diese stellt sich uns und den von uns benötigten Aspekten oder Teilen der Kraft in für uns möglichen Ausdrucks- und Kommunikationsformen dar. Insofern ist die Personifikationen von Wirkumgskräften als Kommunikations- und Arbeitsmöglichkeit zu betrachten.